Zwänge des Kapitalismus

„Die meisten erwerbstätigen Menschen in Deutschland haben also weniger Freizeit als Arbeitszeit. Das hat erhebliche Auswirkungen. (…) Wir wollen auch in unserer freien Zeit alles, am besten gleichzeitig: Während der Pause im Theater über eine App das Sporttraining am nächsten Tag buchen, auf dem Hinweg zum Kneipenbesuch mit Freund*innen in der S-Bahn mit den Eltern telefonieren, um über neue Netflix-Serien zu diskutieren. Dabei fühlen wir uns zunehmend gestresst. Unser Freizeitverhalten wird gehetzter, der Effizienzgedanke der Arbeitswelt ist übergeschwappt in die Freizeit. (…)

Auch das Überangebot an Freizeitaktivitäten ist vom Kapitalismus beeinflusst. Die Unterhaltungs- und Freizeitbranche ist ein Riesengeschäft geworden. Das führt zu einem Phänomen: Wir haben zwar immer mehr Möglichkeiten, aber nicht mehr Zeit. Der Soziologe Hartmut Rosa spricht von einer Art sozialer Verdichtung als Resultat: Weil alles gleichzeitig stattfinde, seien wir nirgends wirklich. Verloren in der Freizeit gehe die freie Zeit, in der nichts geplant sei und Unerwartetes passiere. Spontane Treffen und das große Nichts eines ungeplanten Tages gingen verloren.“

https://www.zeit.de/zett/politik/2018-07/zehn-zwaenge-die-uns-kapitalismus-einbrockt