Gute Vorsätze und das Nervensystem

Ihr Schönen. Gute Vorsätze für’s neue Jahr – kennen wir das nicht alle? Ich hab’s mir abgewöhnt, weil es immer eher für Frustration als für Freude gesorgt hat. Katis Newsletter („Mit Trauma wachsen“, tolle Frau, wichtige Arbeit: https://helperscircle.de/) bringt das Ganze wunderbar auf den Punkt und ich möchte das total gerne mit euch teilen. Aus dem Kopf heraus getroffene Entscheidungen können nicht funktionieren – wenn das Unterbewusstsein was ganz anderes will …
Bleibt neugierig, taucht tiefer! 🙂
Liebst
Eure Janne

„Ein neues Jahr hat begonnen. Mit dem Abschied und der Reflektion des alten Jahres tauchen dann oft Wünsche und Vorsätze für das Neue auf. Wie ist das bei Dir? Hast Du Dir Vorsätze für das Jahr 2022 gemacht? Ich wette, da sind viele, ziemlich tolle Dinge dabei. Vielleicht so etwas wie: gesündere Ernährung, etwas mehr Bewegung, mehr Selbstfürsorge?

Das sind wahnsinnig gute Impulse! Und möglicherweise bist Du jetzt, in den ersten Tagen von 2022, schon voll dabei, dies in die Tat umzusetzen.

Und dann, irgendwann: Reality kicks in. Eine Woche läuft alles gut, die zweite vielleicht auch noch, die dritte wird’s etwas holprig und in der vierten Woche weißt Du schon gar nicht mehr, was Du Dir eigentlich vorgenommen hast. Kennst Du das?

Du bist damit auf jeden Fall nicht alleine. Es geht dem Großteil der Menschen so. Aber warum eigentlich? Es sind doch gesunde, gute Ideen …?

WENN DEIN KÖRPER EIN HAUS WÄRE …

… dann lass uns doch mal kurz gemeinsam ein bisschen auf dem Dachboden rumschauen – in Deinem Kopf also. Da liegt so allerhand rum. Altes Zeug, nicht ganz so altes Zeug und etwas neueres Zeug, das aber eigentlich nicht zu gebrauchen ist.

Von hier oben hat man eine grandiose Aussicht! Du kannst all die anderen Häuser wunderbar betrachten. Siehst die Fassaden, die hübschen Vorgärten und manchmal erhaschst Du einen Blick ins Innere.
Das eine Haus da drüben sieht wunderbar und stabil aus! Da ist ein kleiner Gemüsegarten und die Bewohner*innen sind der Meinung: Ernährung ist das Wichtigste! Notiert. Ernährung für ein richtig schickes Haus – Vorsatz Nummer eins. Eine Straße weiter steht eine rieeesen Villa mit Basketballfeld, Pool und Rennrädern draußen. Sport ist das A und O! Vorsatz Nummer zwei: Mehr Bewegung.

So machst Du Dir also Schritt für Schritt Deine Vorsätze, Deine Wünsche für Dich. Du nimmst Ratschläge von Freundinnen, Expertinnen, Studien usw., und möchtest damit Dein Haus renovieren.

Aber mal ehrlich. Wer hat schonmal sein Haus vom Dachboden aus renoviert!? Wie soll ich denn vom Dachboden aus sehen, ob die Balken im Erdgeschoss überhaupt noch tragen!? Das ist schlicht und einfach nicht möglich.

Lass uns mal gemeinsam mit dem Fahrstuhl ein paar Etagen weiter tiefer fahren.

Ein bisschen mehr in Körper und Nervensystem angekommen, wird es dann oft schon ein bisschen klarer. Der Zustand der tragenden Balken wird deutlich. Wir können sehen, wo sich viel Staub über die Jahre angesammelt hat. Wo unbedingt mal wieder durchgelüftet werden muss. In welchem Zimmer uns die Einrichtung der 90iger Jahre heute nicht mehr so passt.

Unser Nervensystem hat über die Jahre und Jahrzehnte unseres Lebens dieses Haus grundlegend mit aufgebaut. Der Grundriss wurde gelegt, Rohstoffe ausgewählt, Zimmer zugeordnet und eingerichtet. All die Mechanismen, die unser Nervensystem entwickelt hat, um unser Überleben zu sichern, spiegeln sich darin wieder.

Starke Balken liefern eine solide Basis. Ein großes Schlafzimmer bringt die nötige Resilienz. Wir wir uns in unserem Haus fortbewegen, ist in Fleisch und Blut übergegangen. Links das Bad, rechts die Küche, dahinter das Schlafzimmer und so weiter. Gewohnheiten und Vorlieben mancher Räume sind etabliert und wir finden uns dort ganz automatisch zurecht.

Unserem Arbeitsgedächtnis, und auch unserem Körper, steht nur eine gewisse Kapazität zur Verarbeitung zur Verfügung. Wir können nicht das gesamte Haus auf einmal renovieren! Ist das Bad auf einmal rechts und die Küche links, werden wir wahrscheinlich seeeehr oft zum Kochen vor der Dusche stehen. Denn alles, was neu ist, verbraucht einen Teil unserer Kapazitäten. Es ist anstrengend und erzeugt Stress. Wir müssen uns aktiv damit auseinandersetzen – so wie am Anfang beim Autofahren. Das ist nicht schlimm, wenn wir genügend Kapazität zur Verfügung haben. Kommt aber noch anderer Stress dazu, werden wir wahrscheinlich ziemlich schnell, ziemlich doll genervt sein, dass wir IMMER NOCH in der Dusche kochen wollen.

DIE EUPHORIE DES ANFANGS

Manchmal gibts aber auch anfangs noch eine Euphorie. Dann beginnen wir Tapeten abzureißen, den ganzen Krims Krams mal rauszuräumen oder Wände zu streichen. Die Euphorie gibt uns Kraft. Lässt sie nach, zeigt sich der Stress des Neuen. Wenn dieser Stress zu groß wird, sagt unser Nervensystem laut NEIN und schaltet in den alten Gewohnheitsmodus um. Denn das braucht viel weniger Energie. Logisch, oder?

Vorsätze sind ja ganz toll, aber wenn wir sie aus dem Kopf heraus treffen, dann besteht die Gefahr, dass wir unser System überfordern. Dann „scheitern“ wir. Und dann geht der Teufelskreis erst so richtig los. Kommt Dir das bekannt vor?

Wenn Du Dir Vorsätze für dieses Jahr gemacht hast, dann schau sie Dir gerne nochmal mit dem Gedanken des Hauses genauer an. Woher kommen deine Vorsätze? Aus Deinem Kopf, weil Dir das ganz bestimmt total gut tun würde? Und Du müsstest es einfach nur machen? Oder berufst Du Dich vielleicht auf Ideen von schlauen Menschen, denen die Dinge geholfen haben?“